
Ist deine KI im Coaching noch Werkzeug – oder schon Kontrollinstanz?
Was passiert, wenn Technik mehr Kontrolle übernimmt, als sie eigentlich sollte? Und wer trägt am Ende die Verantwortung, wenn genau das schiefgeht? Ein Fall aus der Schweizer Presse zeigt, wie schnell das gehen kann: Die 70-jährige Therese S. testete zum ersten Mal eine Self-Checkout-Kasse bei der Migros, und vergass, ein Plastiksäckli für wenige Rappen sowie einen weiteren Artikel zu scannen. Vier Monate später stand die Polizei vor der Tür, mit Fingerabdrücken und Handballenabdrücken. Der Journalist Raphael Rauch brachte die Kritik danach auf den Punkt: Technik wird eingeführt, um Prozesse zu vereinfachen, doch am Ende trägt der Mensch die Verantwortung für ihre Schwächen. Genau diese Verschiebung von Verantwortung ist auch im Coaching die zentrale ethische Frage, sobald KI ins Spiel kommt.
Kernpunkte
KI im Coaching ist ein kraftvolles Werkzeug, solange du bewusst entscheidest, wo sie unterstützt und wo sie zur Kontrollinstanz wird
Die Grenze verläuft bei Datenmenge, Zweckbindung und Transparenz gegenüber deinen Klient:innen
Ab August 2026 greifen die zentralen Pflichten des EU AI Act – Transparenz wird für Coaches zur Pflicht, nicht mehr zur Kür
Drei einfache Fragen schaffen eine erste ethische Orientierung: Zweck, Transparenz, Kontrolle
Nähe zu deinen Klient:innen ist deine grösste Stärke gegenüber automatisierten Grosssystemen
Was der Fall aus dem Supermarkt mit deinem Coaching zu tun hat
Was bedeutet es eigentlich, wenn eine Institution Technik einführt, um Kosten zu sparen, und die Verantwortung für ihre Schwächen dann bei den Menschen landet, die sie nutzen sollen? Genau das war der Kern der Kritik aus dem eingangs erwähnten Kommentar. Übertragen auf deinen Berufsalltag als Coach bedeutet das: Sobald du KI-Tools einsetzt, die Klientendaten verarbeiten, trägst du die Verantwortung dafür, wie transparent, zweckgebunden und respektvoll das geschieht.
Stell dir einen Chatbot vor, der Klient:innen automatisch einschätzt. Oder ein Tool, das sensible Gesprächsinhalte speichert, ohne dass die Person genau weiss, wo und wie lange. Die Technik läuft reibungslos, aber wer trägt die Verantwortung, wenn etwas schiefgeht? Diese Frage darfst du dir nicht erst stellen, wenn ein Problem auftaucht. Sie gehört an den Anfang, bevor du ein Tool überhaupt einsetzt.
Wie viel Kontrolle gibst du der KI, und wie viel Nähe, Verantwortung und Transparenz behältst du selbst? Diese Entscheidung trifft nicht die Technik für dich. Sie liegt bei dir.
Was macht diesen Fall so aufschlussreich für dein eigenes Handeln? Es ist nicht die Höhe des Schadens, ein Säckli für wenige Rappen. Es ist das Missverhältnis. Ein kleiner, unabsichtlicher Fehler löste eine Kette aus, die niemand vorher abgewogen hat: Videoauswertung, Anzeige, Fingerabdrücke. Genau dieses Missverhältnis kann auch in deiner Praxis entstehen, wenn ein KI-Tool im Hintergrund mehr sammelt oder mehr entscheidet, als der eigentliche Anlass rechtfertigt. Der Unterschied zwischen einem hilfreichen Tool und einem übergriffigen System liegt selten in der Technologie selbst. Er liegt darin, wie bewusst du ihre Grenzen setzt.
Wo hilft KI im Coaching wirklich – und wo wird sie zur Grenze?
Wofür eignet sich KI im Coaching wirklich gut? Für Vorbereitung, Struktur und Reflexionsimpulse: Prompt-Vorlagen für Selbstcoaching entwickeln, Content erstellen, das eigene Angebot schärfen. Hier entfaltet KI echte Potenziale. Sie macht dich als Coach kraftvoller, nicht überflüssig.
Wo genau verläuft dann die Grenze? Dort, wo KI beginnt, Urteile über Menschen zu fällen. Oder wo sie Daten sammelt, die über den eigentlichen Zweck hinausgehen. Fachliteratur zum Thema KI-Coaching benennt genau das als zentrale Herausforderung: Datenschutzrisiken durch grosse Datenmengen, und die offene Frage, ob KI-Systeme Menschen wirklich empathisch begleiten können. Ein Tool, das mehr über deine Klient:innen weiss, als für den Coaching-Zweck nötig ist, ist kein Werkzeug mehr. Es wird zur Kontrollinstanz.
Ein einfacher Test hilft bei der Einordnung: Nützt diese KI-Funktion wirklich deiner Klientin? Oder nimmt sie nur dir als Coach Arbeit ab, ohne dass die Person davon weiss? Sobald du bei der zweiten Frage zögerst, bist du an der Grenze angekommen.
Wie fühlt sich diese Grenze in der Praxis an? Meistens nicht dramatisch. Sie zeigt sich in kleinen Momenten: Ein Tool schlägt vor, ein Muster im Verhalten deiner Klientin zu erkennen, das sie selbst nie erwähnt hat. Oder es bietet an, Informationen über mehrere Sitzungen hinweg automatisch zu verknüpfen. Beides klingt praktisch. Beides kann aber auch bedeuten, dass eine Maschine beginnt, eine Geschichte über einen Menschen zu schreiben, die dieser Mensch nie autorisiert hat. Genau hier lohnt sich ein bewusster Stopp, bevor du eine Funktion einfach aktivierst, weil sie verfügbar ist.
Welche drei Fragen solltest du dir vor jedem KI-Einsatz stellen?
Wofür genau brauchst du diese Daten, und wofür nicht? Weiss deine Klientin oder dein Klient, welches Tool du nutzt und was damit passiert? Kannst du jederzeit erklären, was die KI mit den Informationen macht?
Diese drei Fragen ersetzen keine rechtliche Prüfung, aber sie schaffen eine erste, ehrliche Haltung. Genau die Haltung, die der eingangs erwähnte Kommentar von grossen Unternehmen einfordert: nicht blind der Technik hinterherlaufen, sondern bewusst Grenzen setzen. Als Coach mit überschaubarer Datenmenge hast du hier sogar einen Vorteil gegenüber Grosskonzernen. Du kannst diese Fragen tatsächlich für jeden einzelnen Fall beantworten.
Was passiert, wenn du bei einer dieser Fragen ins Stocken gerätst? Dann ist das kein Grund zur Panik, sondern ein guter Moment für eine kurze Pause. Frag dich, ob du das Tool wirklich brauchst, oder ob eine einfachere, transparentere Lösung denselben Nutzen bringt. Oft reicht schon eine kleine Anpassung, etwa eine anonymisierte Eingabe statt einer vollständigen, um die Antwort auf alle drei Fragen wieder klar zu bekommen.
Transparenz als Basis für Vertrauen
Was ändert sich rechtlich? Ab August 2026 greifen die zentralen Bestimmungen des EU AI Act vollständig. Für dich als Coach heisst das: Transparenz gegenüber deinen Klient:innen wird zunehmend nicht nur zur ethischen, sondern auch zur rechtlichen Erwartung. Wer offen kommuniziert, welche KI-Tools im Einsatz sind, ist auf der sicheren Seite. Und zeigt gleichzeitig, dass er Verantwortung übernimmt, statt Technik einfach laufen zu lassen.
Wie setzt du das praktisch um? Oft reicht schon ein kurzer Satz in deinen Unterlagen oder im Erstgespräch. Etwas wie: „Für die Vorbereitung unserer Sitzungen nutze ich unterstützend KI-Tools, deine Daten bleiben dabei ausschliesslich zweckgebunden." Diese Offenheit kostet dich nichts, stärkt aber das Vertrauen spürbar. Und genau dieses Vertrauen ist die Grundlage jeder guten Coaching-Beziehung.
Was gewinnst du konkret, wenn du diese Offenheit lebst? Klient:innen, die wissen, woran sie sind, stellen weniger unausgesprochene Fragen. Sie bringen sich offener ein, weil sie nicht befürchten müssen, dass im Hintergrund etwas passiert, das sie nicht verstehen. Transparenz ist damit kein zusätzlicher Aufwand, der von der eigentlichen Coaching-Arbeit ablenkt. Sie ist ein Teil davon, denn Vertrauen war schon immer die Grundlage jeder Veränderung, die du mit deinen Klient:innen erarbeitest.
Was der Fall für deine eigene Praxis bedeutet
Was bleibt am Ende von diesem Vergleich zwischen Supermarktkasse und Coaching-Praxis? Vor allem eines: Grösse schützt nicht automatisch vor Fehlern, aber sie verschleiert sie leichter. Ein Grosskonzern kann eine einzelne, unverhältnismässige Reaktion in einem riesigen System verstecken. Als Coach kannst du das nicht, und das ist gut so. Jede Entscheidung, die du triffst, wirkt direkt auf einen einzelnen Menschen, der dir vertraut. Diese Nähe ist eine Verantwortung. Sie ist aber auch deine grösste Stärke gegenüber jedem automatisierten System.
Wie gehst du am besten vor, wenn du ein neues KI-Tool zum ersten Mal ausprobieren willst? Beginne klein. Teste es zunächst mit unverfänglichen, nicht-personenbezogenen Inhalten, bevor du es an echte Klientendaten heranlässt. Lies die Datenschutzerklärung, auch wenn das mühsam erscheint, wenigstens den Abschnitt zur Datenspeicherung. Und frag dich ehrlich, ob du im Zweifel erklären könntest, warum du dieses Tool ausgewählt hast. Wenn dir diese Erklärung leichtfällt, hast du wahrscheinlich eine gute Wahl getroffen.
Was, wenn du bereits ein Tool nutzt, das du bei dieser Selbstprüfung kritisch siehst? Das ist kein Grund für schlechtes Gewissen. Es ist ein guter Anlass, es einmal neu zu bewerten. Wechsle, wenn nötig, zu einem Anbieter mit klarerer Datenschutzerklärung. Oder passe an, wie du das Tool nutzt, etwa indem du weniger automatisch speichern lässt. Ethik im Coaching mit KI ist kein einmaliger Zustand, den du erreichst und dann abhakst. Sie ist eine Gewohnheit, die du immer wieder neu überprüfst.
Wie hängt das alles mit deiner Positionierung als Coach zusammen? Gerade weil KI im Coaching noch relativ neu ist, hast du jetzt die Chance, dich als vertrauenswürdige, verantwortungsvolle Stimme zu positionieren. Während andere Anbieter Technik unreflektiert einsetzen, kannst du zeigen, dass du beides kannst: die Vorteile von KI nutzen, und gleichzeitig echte menschliche Nähe bewahren. Das ist kein Widerspruch. Es ist genau die Kombination, die deine Klient:innen von dir erwarten dürfen.
Häufige Fragen
Darf ich als Coach überhaupt KI-Tools mit Klientendaten nutzen?
Grundsätzlich ja, aber nur mit klarer Rechtsgrundlage, Transparenz gegenüber der Klientin oder dem Klienten und einem Anbieter, der DSGVO-konform arbeitet.
Wie erkenne ich, ob ein KI-Tool datenschutzkonform ist?
Achte auf Serverstandort, einen Auftragsverarbeitungsvertrag und eine klare, verständliche Datenschutzerklärung des Anbieters.
Muss ich meinen Klient:innen sagen, dass ich KI nutze?
Ja. Transparenz ist nicht nur ethisch geboten, sie wird mit dem EU AI Act zunehmend auch rechtlich erwartet.
Finale Gedanken
Kann KI Coaching leichter, kreativer und wirkungsvoller machen? Ja, aber nur, wenn du bewusst entscheidest, wo sie helfen darf, und wo die Grenze liegt. Der Fall aus dem Einzelhandel zeigt eindrücklich: Wer Verantwortung unreflektiert an Technik abgibt, verliert am Ende das Vertrauen der Menschen, die er eigentlich begleiten will. Als Coach hast du die Chance, es von Anfang an anders zu machen, mit Transparenz, Zweckbindung und echter Wertschätzung für die Menschen, die dir ihr Vertrauen schenken. Das ist echter Wandel: nicht Technik um der Technik willen, sondern KI als Werkzeug, das deine Stärken als Coach unterstützt, statt sie zu ersetzen.
Was nimmst du aus alldem für den nächsten Klientenkontakt mit? Vielleicht reicht schon ein einziger Schritt für den Anfang: die drei Fragen zu Zweck, Transparenz und Kontrolle einmal bewusst auf ein Tool anzuwenden, das du bereits nutzt. Nicht, um dich selbst zu kritisieren, sondern um Klarheit zu gewinnen. Diese Klarheit ist es, die am Ende den Unterschied macht zwischen einem Coach, der KI einfach benutzt, und einem Coach, der KI verantwortungsvoll einsetzt. Und dieser Unterschied ist es, den Klient:innen langfristig spüren, auch wenn sie ihn nie in Worte fassen würden.
Was würdest du dir selbst raten, wenn eine befreundete Kollegin dich um Einschätzung bittet? Vermutlich genau das: erst verstehen, dann einsetzen. Diese einfache Reihenfolge schützt dich, und sie schützt die Menschen, die dir ihre Zeit und ihr Vertrauen schenken. Frag lieber einmal zu viel nach, als einmal zu wenig.
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Quellen
Raphael Rauch, „Migros, Coop, Spitäler und Co.: So erzieht man Untertanen", Blick.ch: https://www.blick.ch/meinung/migros-coop-spitaeler-und-co-so-erzieht-man-untertanen-id22203921.html
„In der Migros Schönbühl BE: Therese S. (70) wollte Self-Scan-Kasse testen und landet bei der Polizei", Blick.ch: https://www.blick.ch/schweiz/bern/in-der-migros-schoenbuehl-be-therese-stooss-70-wollte-self-scan-kasse-testen-und-landet-bei-der-polizei-id22197815.html
„KI im Coaching: Chancen & Grenzen für Führungskräfte", ICI Coaching Institut: https://www.ihrcoachinginstitut.de/ki-coaching/
„KI und Datenschutz: DSGVO, Risiken & Strategien 2026", Digital Samba: https://www.digitalsamba.com/de/blog/data-privacy-and-ai
Dieser Beitrag wurde mithilfe von KI erstellt und redaktionell geprüft.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Für verbindliche Fragen zu DSGVO und Datenschutz wende dich an eine spezialisierte Fachperson.
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